
Der Asphalt glüht, die Luft flimmert vor Hitze – an drei aufeinanderfolgenden Tagen knackt die Temperatur im Juni 2026 Rekordwerte. Der Deutsche Wetterdienst meldete einen vorläufigen Wert von 41,7 Grad im Osten Brandenburgs. Der Juni und Juli sind erneut die heißesten Monate seit den Aufzeichnungen. In ganz Europa wüten Waldbrände, die kaum noch unter Kontrolle gebracht werden können. Nordrhein-Westfalen erlebt den größten Waldbrand seit der Gründung der Bundesrepublik. Wegen der geringen Pegelstände in Flüssen wie dem Rhein kommt die Binnenschifffahrt größtenteils zum Erliegen. Länder wie Rumänien oder Ungarn müssen ihre Atomkraftwerke abschalten, weil das Kühlwasser ausgeht.
Mit Hitzewellen und ihren Folgen für Menschen und Umwelt hält die Klimakrise zunehmend Einzug in die Lebensrealität der Menschen in Europa. In diese Realität drängt sich zeitgleich ein massiver Ausbau von Rechenzentren, getrieben durch den globalen Boom künstlicher Intelligenz (KI) und von Regierungen, die beim digitalen Wettrüsten mithalten wollen.
Der KI-Boom hat schon lange Diskussionen darüber entfacht, wie sich Künstliche Intelligenz auf unsere Gesellschaften auswirkt. Dabei kommt eine zentrale Frage erst langsam in das öffentliche Bewusstsein: Welche Konsequenzen hat der Einsatz und der Ausbau von KI auf unsere Umwelt und die Klimakrise?
Kritiker*innen warnen seit langem vor dem immensen Strom-, Flächen- und Wasserverbrauch der physischen Infrastruktur, die für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Systemen notwendig ist: Rechenzentren. Währenddessen diskutiert die Politik nur die wirtschaftlichen Chancen. Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht in Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz einen potentiellen Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaftsmodells: Die Bundesregierung möchte in Deutschland im großen Stil Rechenzentren bauen, bis 2030 sollen sich die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland verdoppeln, die KI-Rechenkapazitäten sogar vervierfachen.
Umwelt- und Klimafolgen scheinen dabei für die Bundesregierung keine große Rolle zu spielen. Eine Übersicht zum Ausbau der Rechenzentren gibt es nicht - und auch Daten zum Ressourcenverbrauch der bestehenden Rechenzentren gibt es entgegen gesetzlicher Verpflichtungen kaum. Auch im staatlichen Energieeffizienzregister für Rechenzentren ist nur ein Bruchteil der bestehenden Rechenzentren mit ihren Verbrauchsdaten gemeldet.

Viele Tech-Konzerne verkaufen KI als Lösung für die Klimakrise, während sie die Kliamschäden aufgrund der dafür notwendigen Rechenzentren kleinreden: Amy Luers, zuständig für Nachhaltigkeitswissenschafts und Innovation bei Microsoft, behauptete beispielsweise in der Fachzeitschrift Nature, dass ohne künstliche Intelligenz emissionsfreies Wirtschaften nicht möglich sein wird. Auch Google beschwört, dass KI einen transformativen Effekt auf den Klimafortschritt auslösen und dabe isogar noch helfen könne, Treibhausgasemissionen einzusparen.
Bei näherer Betrachtung entpuppen sich diese Behauptungen als heiße Luft: Eine Studie von Beyond Fossil Fuels und AlgorithmWatch zeigt, dass nur ein Viertel der untersuchten Aussagen überhaupt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren - mehr als ein Drittel der Aussagen hat dagegen überhaupt keine Quellen und Belege.
Wo vermeintliche positive Effekte mit Quellen belegt werden, vermischen die Tech-Konzerne Äpfel und Birnen: Belege lassen sich für einige Anwendungen sogenannte “herkömmlicher KI” finden, die einen vergleichsweise niedrigen Ressourcenbedarf hat. Der aktuelle KI- und Rechenzentrums-Boom beruht dagegen vor allem auf generativen KI-Modellen - also Text-, Bild- oder Videogeneratoren wie ChatGPT, Gemini oder MidJourney, die sehr viel mehr Ressourcen benötigen als herkömmliche KI. Für diese Anwendungen fand die Studie von Beyond Fossil Fuels und AlgorithmWatch dagegen keinerlei belegten positiven Effekte auf das Klima. Selbst wenn es positive Auswirkungen „herkömmlicher“ KI gibt, haben sie wenig mit der massiven Zunahme des Energieverbrauchs durch generative KI zu tun.
Ohne belastbare Belege bleiben die Klimaversprechen der KI-Konzerne nicht mehr als heiße Luft. Dagegen werden die negativen Auswirkungen der Rechenzentren auf die Klimakrise und Ressourcenkonflikte immer deutlicher.
Stromfresser: Fossile lieben Rechenzentren

Der ununterbrochene Betrieb von tausenden Servern, deren Kühlung, Notstromsysteme und Netzwerktechnik: Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Energie. Ein Rechenzentrum mit 54 MW Leistung, beispielsweise das geplante Rechenzentrum FRA02 Campus in Frankfurt (54MW IT-Leistung), verbraucht so viel Strom wie ca 80 000 durchschnittliche europäische Haushalte. Die geplante Anlage würde demnach so viel Strom verbrauchen wie etwa 180.000 Menschen, ungefähr so viel wie Großstädte wie Wuppertal oder Paderborn.
Im Jahr 2025 verbrauchten Rechenzentren in Deutschland rund 21 TWh Strom. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch mittelgroßer Bundesländer, wie Hessen oder Rheinland-Pfalz. Weltweit wird der immense Stromhunger von Rechenzentren spürbar: Global verbrauchen sie bereits ungefähr so viel Strom wie Deutschland.
Schon heute machen KI-Anwendungen laut Schätzungen sowohl von Allianz Trade als auch von Greenpeace 15 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs von Rechenzentren aus, bis 2030 könnte der Anteil gemäß diesen Studien bereits auf 40 Prozent steigen.
Durch den KI-Boom wird der Energiehunger der Rechenzentren von einer Randgröße zu einem strukturellen Treiber der Stromnachfrage, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verstetigen droht. Dies geschieht völlig intransparent auf Wunsch der Tech-Konzerne, die Rückendeckung aus dem Wirtschaftsministerium bekommen.
Big Tech fordert, Reiche liefert

Ursprünglich sollten Rechenzentren in Deutschland ab 2027 ihren Stromverbrauch bilanziell vollständig aus erneuerbaren Energien beziehen. Diese Vorgabe wurde im 2023 verabschiedeten Energieeffizienzgesetz (EnEfG) festgeschrieben. Die von der Bundesregierung geplante Novelle des EnEfG, will diese Zielsetzung jedoch stark aufweichen: Rechenzentrenbetreiber müssen ihren Strom demnach erst ab 2030 vollständig aus erneuerbaren Energien beziehen.
Diese Veränderung zugunsten der Betreiber von Rechenzentren ist offenbar kein Zufall. Laut einer Recherche von LobbyControl und Campact haben BigTech-Konzerne wie Microsoft und Google maßgeblichen Einfluss auf die Abschwächung der Effizienzvorgaben genommen. Die selben Konzerne die in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit gerne darüber sprechen das sie alle Rechenzentren mit 100% erneuerbarer Energie betreiben, wieso also die Regulierung verändern? Die Antwort ist einfach: Bei dem Maß an Wachstum was die Unternehmen anstreben, reicht der Ausbau von erneuerbaren nicht aus. Stromnetze kommen nicht hinterher, den Strom zu den Rechenzentren zu bringen; die Übergangslösung: Gas Kraftwerke. Und da stört die Regulatorik mit ihrer Vorgabe natürlich.
In der praktischen Umsetzung hat das schwerwiegende Folgen. Rechenzentren sollen zwar bereits seit 2024 die Hälfte ihres Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien decken. Doch mit einem Schlupfloch können Betreiber ihre Bilanz schön rechnen: Mit zugekauften Ökostrom-Zertifikaten können sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, auch wenn sie in der Realität ihr Rechenzentrum nicht mit Strom aus erneuerbaren Energien betreiben. Diese Praxis wird mit der Gesetzesänderung des EnEfG bis 2030 möglich sein.
Damit können sie ihre Anlage auch mit Strom aus fossilen Brennstoffen wie etwa Gas betreiben. Der geplante Ausbau der Gasinfrastruktur in Deutschland steht im direkten Zusammenhang mit dem KI-Boom: Jedes zehnte neu geplante Gaswerk soll zukünftige Rechenzentren versorgen – das zeigen Daten des Global Energy Monitor (GEM). Damit verfestigt der große Strombedarf von Rechenzentren den fossillen Lock-In und bringt die Einhaltung der Klimaziele in Gefahr.
Digitale Infrastruktur für wen und für was?

Die Bundesregierung argumentiert ihre aggressive Strategie für den Ausbau von Rechenzentren mit der Stärkung digitaler Souveränität, Innovationskraft und Arbeitsplätzen. Doch auch diese Behauptungen verpuffen wie heiße Luft: Auch wenn die Cloud-Infrastruktur in deutschen Gemeinden angesiedelt wird, bedeutet das noch nicht, dass es sich auch um deutsche Betreiber handelt, unsere Karte zeigt dies deutlich. In Europa haben eine handvoll von US-Konzernen im Cloud-Bereich eine marktbeherrschende Stellung und kontrollieren mehr als 70% des Marktes.. Der digitalen Abhängigkeit von den großen amerikanischen Konzernen wird somit nicht automatisch entgegengewirkt und sie bleibt ein großes Risiko. Der US Cloud Act verpflichtet amerikanische Unternehmen und deren Töchter zur Herausgabe von Daten an US-Behörden – selbst dann, wenn die physischen Server und Rechenzentren in Europa stehen.
Rechenzentrumsbetreiber versprechen mit der Ansiedlung ihrer Projekte oft neue Jobs und wirtschaftlichen Aufschwung. Anders als Lagerhallen, Fabriken oder Büros, dienen Rechenzentren jedoch nicht der lokalen Wirtschaft, denn die Umsätze mit der Rechenleistung können überall auf der Welt erwirtschaftet werden und sind nicht an den Standort der Server gebunden. Vor Ort werden vor allem Flächen und Ressourcen verbraucht und die vor Projekten angepriesenen Arbeitsplätze fallen oft deutlich geringer aus als zuvor prognostiziert. Laut AlgorithmWatch ist europaweit oft nur ein Viertel der versprochenen Stellen tatsächlich entstanden. Im nordhollänischen Kroon realisierten sich statt der versprochenen 1.500 bis 2000 Arbeitsplätze nur 530 und im rumänischen Mischii waren es statt 21 neue Stellen lediglich zehn.
Unsere Recherchen belegen, dass viele der hier gezeigten Rechenzentren von den großen BigTech-Unternehmen geplant und betrieben werden sollen.
Die großen Konzerne bewerben Rechenzentren und künstliche Intelligenz als Lösungen für die Klimakrise, doch unsere Recherche zeigt: Der geplante Ausbau von Rechenzentren in Deutschland befeuert die Klimakrise und verschärft Wasserkonflikte.
Gelockt vom KI-Boom springt die Bundesregierung mit ihrer Ausbaustrategie völlig unreflektiert auf den Rechenzentren-Hype auf, dabei sind Versprechen der KI-Branche in vielerlei Hinsicht reine Spekulation. Egal ob diese sich auf die Rolle von KI zur Bewältigung der Klimakrise beziehen oder auf wirtschaftlichen Aufschwung der Standorte in Aussicht gestellt wird. Klar sind hingegen die Risiken und negativen Effekte auf Klima, Umwelt und die Gemeinden, in denen sich die ressourcenintensive Rechenzentren-Industrie ansiedeln soll.
Durch die Abschwächung von Effizienzvorgaben droht die Bundesregierung diese Effekte sogar noch zu verstärken. Durch die fehlende Transparenz über Strom- und Wasserverbrauch werden wir, die Bevölkerung, mit Tatsachen konfrontiert, ohne eine fundierte Folgenabschätzung für unsere Gemeinden treffen zu können. Deswegen müssen Angaben zu Energie- und Wasserverbrauch und ihrer Herkunft sowie zum CO₂-Fußabdruck von Rechenzentren öffentlich verfügbar und unabhängig überprüfbar sein, sowohl als Prognosen zum Zeitpunkt der Planung als auch anhand tatsächlicher Werte im Betrieb. Nur so ist eine öffentliche Debatte über den Ausbau der deutschen Rechenzentren-Infrastruktur möglich.
In anderen Ländern Europas hat sich aus der Bevölkerung erfolgreich Widerstand gegen geplante Rechenzentren formiert: ein Bau-Moratorium in Amsterdam, gestoppte Megaprojekte in den Niederlanden, ein zeitweises Anschlussstopp in Dublin. Noch können wir verhindern, dass KI-Rechenzentren in deutschen Gemeinden die Klimakrise mit noch mehr heißer Luft anfachen.
Ich will aktiv werden - Was jetzt?
Wir haben jetzt noch die Chance, gegenzusteuern. Die meisten der geplanten Rechenzentren sind noch nicht gebaut, das heißt, wir können jetzt aktiv werden: lokaler Widerstand wirkt.
Nutzen wir das Zeitfenster, bevor aus Plänen Fakten werden!
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Informieren, organisieren und protestieren
Nutze diese Karte, um Projekte in deiner Nähe zu recherchieren und informiere dich über geplante und bestehende Rechenzentren in deiner Region. Vernetze dich dazu auch mit lokalen Initiativen und Anwohner*innen!
Mehr Informationen findest du hier: https://algorithmwatch.org/de/rechenzentren-ein-leitfaden/
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Anfragen stellen
Stelle Informationsfreiheitsanfragen über FragDenStaat.de. Du kannst Kommunen und Behörden nach Informationen zu Stromverbrauch, Wasserbedarf und Genehmigungen fragen. Beispiele für mögliche Anfragen haben wir hier für dich gesammelt:
Link zur Kampagnenwebsite heisseluft bei FragDenStaat
Bei Fragen kannst du dich beim FragDenStaat Climate Helpdesk melden.
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Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen
Ob ChatGPT, Claude oder Gemini, Copilot oder Perplexity – generative KI wirft massive Probleme auf: Viele Ergebnisse sind fehlerhaft und politisch problematisch, der Verbrauch von Energie und Wasser ist enorm. Zugleich sind sie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. AlgorithmWatch hat eine Richtlinie entwickelt, die dabei hilft, generative KI verantwortungsvoll zu verwenden.
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Du willst Informationen weitergeben?
So kannst du das Team von FragDenStaat kontaktierenIn manchen Fällen ist es nicht sicher genug, uns per Telefon oder E-Mail zu kontaktieren. Bevor du uns kontaktierst, lies bitte die nachfolgenden Informationen.
Grundsätzlich gilt: Bitte sendet uns keine E-Mails oder Nachrichten von deiner offiziellen Adresse, von einem Arbeitsgerät und aus dem Büro. Accounts und Geräte, auf die andere Personen Zugriff haben, solltest du nicht nutzen. In manchen Fällen solltest du auch keine privaten Mailadressen verwenden, sondern spezielle Mailadressen einrichten. Eine gute Empfehlung ist der Messenger Signal für dein persönliches Smartphone. Du kannst auch mit Signal Bilder machen, die nicht auf dem Handy gespeichert werden.
Grundsätzliche Hinweise zu rechtlichen Regelungen wie dem Hinweisgeberschutzgesetz und was es in diesem Zusammenhang zu beachten gibt, findest du bei mach-meldung.org.
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